Reise zwischen den Welten – ein Reisebericht aus Ruanda

Ostbevern / Deutschland – Mushubati, Busasamana / Rwanda

Eine Reise zwischen den Welten vom 26. September – 17. Oktober 2008

von Margret Dieckmann-Nardmann

Zwei Grad Außentemperatur in Brüssel – dreiundzwanzig Grad und warmer Regen am Abend acht Stunden später auf dem Rollfeld des Flughafens in Kigali/Rwanda.
Ein herzlicher Empfang von inzwischen guten Freunden. Fufu – ein Gemisch aus Mais, Kasava und Wasser- mit scharfen Saucen gereicht, Kartoffeln, süß und salzig, Bohnen, Kochbananen und  Ziegenfleischspieß stehen in den nächsten Wochen auf dem Essenplan. Das Moskitonetz ist ebenso selbstverständlich wie die gelben Wasserkanister im Bad.

Das „Land der tausend Hügel“, das „Land des ewigen Frühlings“, die Schönheit des Landes, die Gastfreundschaft der Menschen, die lachenden, winkenden Kinder am Straßenrand zeigen ein friedvolles offenes Land. Es ist Frieden im Land nach einem Jahrhundert vollen Leids, Missachtung, Ausbeutung und Gewalt. Der Völkermord 1994, in dem die Gruppe der Tutsi nahezu ausgerottet wurde, traf die Menschen am schwersten. Die Fortsetzung des Genozids u. a. Gründe für gewalttätige Auseinandersetzungen - gleich einem großen weltpolitischen Desaster - spielen sich z. Zt. im Kongo, im Nord-Kivu Gebiet, angrenzend an Rwanda ab.

Das Frauenmissionswerk unterstützt seit einigen Jahren Witwen in Busasamana an
der Grenze zum Kongo durch den Bau von Häusern. 6000 Witwen leben in der Pfarrgemeinde von ca. 44000 Christen. Immer wieder wurden sie Opfer von gewalttätigen Übergriffen, dem Vulkanausbruch 2001 und flutartigen Regenfällen.
Ein Teil der Frauen hat sich der Witwenorganisation der Pfarrei angeschlossen, trifft sich regelmäßig nach bis zu dreißig Kilometern Fußweg in der Pfarrei, um Körbe zu flechten und um Felder zu bestellen. Aus dem Ertrag erwirtschaften sie Gelder für die Gemeinschaft.

Das PMF konnte Gelder für vier Häuser bereitstellen. Ich war vor Ort, bin zu den Frauen gegangen, um sie in ihrem neuen Schutz bietendem Wohnhaus zu besuchen. Ihre Dankbarkeit  über das Haus, das ein Ersatz für eine Notunterkunft aus Plastik, Ästen und Laub ist, ist unbeschreiblich groß. Die herzliche Umarmung und ein nicht enden wollender Händedruck der Witwen und deren Kinder bleiben unvergessen. Nicht nur die neue Hausbesitzerin auch die Nachbarn kommen, freuen sich mit ihr, sind überaus glücklich. Der oftmals traurige, von einem Leben in purer Armut gezeichnete Blick verändert sich bei der Begegnung.

Eine Witwe zeigt mir ein wenig mit Stolz einen kleinen abgetrennten Raum, den sie als Kapelle nutzen möchte. Der tiefe Glaube an den barmherzigen Gott prägt diese Menschen. Leben und Glauben gehören selbstverständlich zusammen, geben Halt und Hoffnung in den menschenverachtenden Lebensumständen.

Diese Frauen  schließen die Frauen des Frauenmissionswerkes in  ihr Gebet mit ein.
Das Häuserprojekt in Busasamana und das Projekt der Nähwerkstatt für Witwen und Witwer in Mushubati ist in Kooperation und Absprache mit den Sprecherinnen der Witwenorganisationen, den Priestern der Gemeinde und dem zuständigen Bischof entstanden.

Zwischen den Gemeinden Busasamana mit ihren neun Außenstationen und Mushubati, wo das PMF Frauen bei der Errichtung einer Nähwerkstatt unterstützt,
liegt eine sechsstündige Autofahrt über holprige Pisten, vorbei an Tee- und Bananenplantagen. Das Vulkangebiet verlässt man und somit das graue Lavagestein. Zum Osten hin wird die typisch rote Erde sichtbar. Zwischen den sanften Hügeln taucht immer wieder der wunderschöne Kivusee. auf, durch den sich die Grenze zum Kongo zieht.

Mushubati, so heißt das Bergdorf in 2400 m Höhe. Frauen, Witwen haben sich mit ihrer Sprecherin an der Kirche versammelt. Wir beten, singen, tanzen miteinander
und tauschen uns über unseren Alltag aus. Es ist nicht immer einfach für das Sprecherteam der Witwenorganisation von St. Anna, die Witwen zu motivieren, zusätzlich zu ihrer harten Feld- und Hausarbeit regelmäßig in die Pfarrei zu kommen, um Körbe zu flechten, zu nähen für die Gemeinschaft. Es bedeutet lange Fußwege ohne hineichend Nahrung.

Wie sie sagen, geben ihnen die Besuche, die Begegnung, unsere gelebte Solidarität Kraft und Hoffnung. So haben sie mutig die Fortsetzung der Nähwerkstattprojektes in den Blick genommen und konkret ein Frauenzentrum geplant. Dort soll neben der Nähwerkstatt mit Verkauf ein Versammlungsraum entstehen, die Möglichkeit der Übernachtung geschaffen werden, sowie Räume zur Beratung und Behandlung traumatisierter und kranker Frauen und Schulungsräume gegen Analphabetismus. Wie wichtig für die zum Teil alten, kraftlos wirkenden Frauen die Organisation ist, machen die Sprecherin Judith deutlich.

Nach dem gemeinsam gefeierten Gottesdienst setzen wir die Tischgemeinschaft fort und teilen Brot und Bananenbier miteinander – die erste und einzige Mahlzeit an diesem Tag für viele. Botschaften werden einander ausgetauscht und Dankbarkeit gegenüber Gott, dass er uns diese Gelegenheit des Miteinanders schenkt.
Gesang und Tanz lassen für eine kurze Zeit die Alltagsprobleme vergessen.

Gut gestimmt und motiviert setzt jeder seinen Weg fort. Pfarrer Eugéne Murenzi und ich  nehmen unterwegs froh gelaunte Frauen mit auf dem Pickup, singend und klatschend verlassen sie uns, um zu ihrem Zuhause zu gehen. Auch ich setzte meine Reise durch Rwanda fort, tief beeindruckt von der Spiritualität, der Gastfreundschaft und Lebensfreude dieser Menschen. Sie geben mir Hoffnung, in der bei uns oft von Misstrauen, Einsamkeit, Hektik und Verzagtheit geprägten Welt , die Gegenwart der Liebe Gottes zu suchen und auch zu entdecken. Partnerschaft bekommt durch Begegnung ein Gesicht. Wir brauchen einander. Solidarität ist notwendig und tut gut.
„Komera“, „sei stark“, so rufen sich die Menschen auf den Straßen in Rwanda zu und setzen ihren Weg fort.

Nach dem gemeinsam gefeierten Gottesdienst wird die Tischgemeinschaft fortgesetzt und Brot sowie Bananenbier miteinander geteilt – die erste und einzige Mahlzeit an diesem Tag für viele. Gesang und Tanz lassen für eine kurze Zeit die Alltagsprobleme vergessen.

Neue Häuser bieten den Witwen Schutz. Ihre Dankbarkeit über das Haus, das die Notunterkünfte aus Plastik, Ästen und Laub ersetzt, ist unbeschreiblich groß. Die herzliche Umarmung und ein nicht enden wollender Händedruck der Witwen und deren Kinder bleiben unvergessen.

Der  Bischof von Nyundo,
Msgr. Alexis Habiyambere SJ,
mit einer Stola des PMF.

Besuchte den Stand des Frauenmissionswerkes: Prälat Dr. Klaus Krämer, Präsident von missio in Aachen

von rechts: Dr. Rudolf Solzbacher, Direktor Diözesanstelle Weltkirche-Weltmission, Erzbistum Köln, Almud Schricke, Diözesanleiterin PMF, Margret Dieckmann-Nardmann, Präsidentin PMF, Markus Perger, Referent Mission.-Entwicklung-Frieden