Sumba, Indonesien

Dachrinnen, Wassertanks, Wasserfiltersystem und Saatgut zur Sojaverarbeitung auf SUMBA in Indonesien

Auf Sumba ist die Regenzeit des vergangenen Jahres weitgehend ausgeblieben, mit fatalen Folgen für die Menschen: Bis zu 80 Prozent der Reis- und Maisernte sind ausgefallen, denn die Aussaat ist auf den Feldern vertrocknet. Die Ernährungslage der Menschen ist gefährdet.

In diesem westlichen Teil des indonesischen Archipels spielt die Landwirtschaft eine zentrale Rolle, jedoch wirken sich Wetterextreme oft schwerwiegend auf die Versorgung der Bevölkerung aus, die auf zuverlässige Ernteerträge angewiesen ist. Anhaltende Dürren, starke Regenfälle und Insektenplagen sind Ursachen für eine mangelnde Ernährung der Bevölkerung. Seuchen schaffen Notsituationen und Engpässe in der Versorgungslage. Nicht selten haben Kinder bis zu ihrem sechsten Lebensjahr mehrere Hungersnöte durchgestanden und dadurch Schaden erlitten, der ihre weitere geistige und körperliche Entwicklung erheblich beeinträchtigt.  Männer und Frauen auf Sumba leben zudem in einer Zeit des kulturellen Umbruchs; sie sind von den wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen direkt betroffen. Es fehlt ihnen an adäquater Ausbildung und an den finanziellen Mitteln fuer die Anschaffung von Handtraktoren, die ihnen die Bearbeitung größerer Flächen mit modernen Landmaschinen erleichtern würde. Nicht selten übernehmen Schulkinder schon früh Verantwortung für die Versorgung der Familie.

"Wie jedes Jahr haben wir am Ende der Trockenzeit gepflanzt", berichtet mir eine Frau aus dem Dorf, "aber dann blieb der Regen einfach aus und die Pflanzen verdorrten auf den Feldern. Wir werden dieses Jahr nichts ernten können, und die Tiere haben keine Weideflächen."

 Ausbildungsinhalte, die im neuen Frauenzentrum vermittelt werden, knüpfen an die langjährige Sozialarbeit der „Schwestern der Liebe vom kostbaren Blut“ mit Frauen aus den Dörfern an.  Traditionell arbeiten Mädchen und Frauen auf Sumba auf den Feldern und sind für die Ernährung der Familie, die Erziehung der Kinder und die Sorge um die älteren Menschen verantwortlich. Während die Männer häufig auf anderen Inseln in Indonesien einer Arbeit nachgehen, liegt es allein in den Händen der  Frauen, die schwierigen Herausforderungen des Lebens vor Ort zu bewältigen.

Das Zentrum für Frauenentwicklung in Tambolaka,  im Westen der Insel Sumba, möchte den Familien mit seinen Angeboten Hilfe zur Entwicklung anbieten. Mit der Unterstützung von Männern aus den umliegenden Dörfern sowie mit Hilfe aus Deutschland, u.a. des Frauenmissionswerkes, ist es erbaut worden. Fünf Frauengruppen mit jeweils 35 Frauen und den dazugehörigen Familien nehmen nun im Frauenzentrum in Tambolaka  an praktischen Aus-und Weiterbildungsangeboten in lebenswichtigen Bereichen wie Gesundheit, Erziehung, Ackerbau,  traditionelles Weben und Textilgestaltung  teil. Den beiden Ordensschwestern Sr. Gertrudis und Sr. Rufina geht es vor allem um die Entwicklung und den Ausbau der Tages-, Wochen-, und Monatskurse. Sie vermitteln  mit Frau Lusia theoretische und praktische Kenntnisse zur Sojaverarbeitung im Frauenzentrum.  Frauen aus den  Dörfern erproben die Verarbeitung, um sie später in ihrer Familie umzusetzen.

Seit einem Jahr werden die Produkte der Sojabohne  den Frauen aus den Dörfern als ein gesundes Nahrungsergänzungsprogramm vorgestellt.  Im Rahmen der Caritasarbeit des Frauenzentrums in Tambolaka haben die Schwestern  ein Programm entwickelt, in dem Frauen und Männer in der Zukunft aus den Dörfern  Sumbas lernen, Soja auf nachhaltige Weise anzubauen. Sojabohnen enthalten etwa 18% Öl und 28% Eiweiß. Die Eiweißqualität ist mit der von tierischem Eiweiß vergleichbar, was die Sojabohne von anderen Pflanzen abhebt. Kriterien für die Nachhaltigkeit sind ihnen beim Anbau wichtig: kein übermäßiger Einsatz von Pestiziden, keine Überbeanspruchung der Böden, kein Kahlschlag wertvoller Naturgebiete und ein fairer Preis. Die Sojabohne ist eine Hülsenfrucht, die hochwertiges Protein und viele Nährstoffe liefert. Darum soll die Wertschöpfung des Sojaanbaus im Frauenzentrum durch die Weiterverarbeitung zu verschiedenen Produkten ausgebaut und als wichtige Nahrungsergänzung langfristig den Menschen in den Dörfern vermittelt werden. Tofu, auch Bohnenquark oder Bohnenkäse genannt, ist ein ursprünglich chinesisches und asiatisches Nahrungsmittel, das zunehmend in der westlichen Welt gegessen wird. Tofu wird aus einem weißen Sojabohnenteig hergestellt, der bei der  Gerinnung von Sojamilch entsteht. Der Quark, der daraus hervorgeht, wird anschließend  gepresst und in kleine Blöcke geschnitten.

Da für die Reinigung der Bohnen und den Quellvorgang in der  Sojaverarbeitung Wasser eine Grundvoraussetzung ist, sorgen Sr. Gertrudis und Sr. Rufina  im Frauenzentrum zunächst für ein Wassersystem, das sich aus gefiltertem Regen- und Brunnenwasser speist. Es sind zusätzliche Wassertanks für insgesamt 19.300 ltr bestellt, die bis zur kommenden Regenzeit im November mit dem Schiff angeliefert werden. Ausserdem wird ein Regenauffangbecken von 12.000ltr installiert. Weitere 100mtr. Regenrinnen sorgen dann erstmalig dafür, dass  die großen Wassermengen, die die Regenzeit mit sich bringt, in ein gemauertes Auffangbecken abgeleitet und zur Nutzung in der Trockenzeit zur Verfügung stehen. Mit Hilfe der Spenden konnte auch eine Wasserfilteranlage für den täglichen Trinkwasserbedarf angeschafft werden, so dass ab sofort  viele Menschen in den Genuss des oft unbezahlbaren  Trinkwassers kommen. Frau Lusia und Sr. Rufina haben mit dem Verarbeitungsprozess der Sojabohne bereits im Oktober 2011 begonnen und sind nach einem halben Jahr Training in der Lage, weitere Frauen anzuleiten. Zugleich eröffnen sie einen Kreis regelmäßiger Abnehmerinnen in der näheren Umgebung der Herstellungsstätte, die sie schon jetzt mit dem Sojaprodukt „Tofu“ beliefern.

Sind die ersten Kurse der Sojaverarbeitung abgehalten und haben einen positiven Anklang gefunden möchten sie auch mit der Herstellung von Tempeh beginnen. Statt wie bei der Herstellung von Tofu die Sojabohnen auszupressen, werden für Tempeh  die ganzen Bohnen genutzt. Dadurch unterscheiden sich die Produkte im Aussehen auch erheblich voneinander. Die Bohnen werden erst einige Stunden gewässert und dann mit einem Edelschimmel geimpft. Luftdicht verpackt müssen die Kuchen dann zwei Tage bei 30 Grad reifen. Anschliessend halten sie dich im Kühlschrank etwa eine Woche. Dieser Käse schmeckt durch den Schimmelpilz etwas würziger als beispielsweise Tofu und kann vielfältig eingesetzt werden. Das kuchenförmige Produkt ist ein wertvoller Eiweißlieferant und als vegetarische Alternative zu einem Steak ein vollwertiger Ersatz.

Ein positiver Schritt  ist mit den Tanks  und Auffangbecken zur Speicherung von Wasser begonnen. Die Vermittlung verschiedener Herstellungsprozesses  der  Sojabohne leistet das Frauenzentrum einen kleinen aber hoffnungsvollen  Beitrag zur gesunden Nahrungsergänzung.

Jakarta im August 2012

Christiane Poppe

 

Sr. Gertrudis, Sr. Rufina, Maria und Fritz Schweers, Annette und Peter Oberhaus