Reisebericht Waslala, Nicaragua von Monika Drabiniok

Besuch in Waslala

 

Im Juli und August 2010 unternahmen mein Mann und ich eine Reise durch Nicaragua. Gleich zu Beginn besuchten wir die katholische Kirchengemeinde la Inmaculada in Waslala, die Partnergemeinde unserer St. Barbara-Gemeinde in Dorsten, und verbrachten hier zehn interessante und erlebnisreiche Tage. Wie auch bei den vorherigen Besuchen konnten wir im Pfarrhaus wohnen, das fast ständig Gäste  aus aller Welt beherbergt.   Gleich am ersten Tag machten wir mit P. Anelio, dem neuen brasilianischen Priester,  eine Runde durch den Ortskern von Waslala, um uns die Neuerungen – der letze Besuch lag drei Jahre zurück – zeigen zu lassen: Das gerade erbaute Gästehäuschen für die zukünftigen Freiwilligen aus dem Bistum Münster, das neue Jugend-Café, das am Rande des gemeindeeigenen Fußball- undVolleyball-Felds errichtet wurde, und  die Fortschritte beim Bau der „Finca de los Niños“, einem Waisenhaus, das die Pfarrei dort baut. Dem Altenheim statteten wir einen Besuch ab und bewunderten den neuen, mit Fliesen ausgelegten Fußboden, der jetzt die festgestampfte Erde ersetzte, und besichtigten auch die inzwischen fertiggestellte Kapelle, deren Bau wir vor drei Jahren mit einer Gruppe von Jugendlichen aus unserer Gemeinde begonnen hatten. Schwerpunkt des diesjährigen Aufenthaltes in Waslala war jedoch die Teilnahme am dreitägigen „Consejo Parroquial“, einer Gemeindeversammlung , die zweimal im Jahr stattfindet und zu der mehr als 150 Delegierte aus den ungefähr 90 Dörfchen des Großbezirks Waslala zusammen kommen. Das pastorale Grundkonzept der Gemeinde La Inmaculada besteht – neben dem Engagement in den zahlreichen sozialen Projekten – in der Aus- und Fortbildung von Laien, die so ihren Glauben kompetent in die oft weit abgelegenen Dörfchen weitertragen. Wir durften miterleben, mit welch großer  Begeisterung die Katecheten sich über religiöse Themen informierten, aber auch über aktuelle, gesellschaftspolitische Fragen diskutierten und ihre eigenen Erfahrungen in die Gespräche einbrachten. Das erworbene Wissen gaben die zurückgekehrten Delegierten  anschließend in den „Mini-Versammlungen“ weiter, die in den 12 Bezirken Waslalas auf die Gemeindeversammlung folgten. Wir begleiteten Julio Lopez, einen der „Delegados“ in das Dörfchen „Via Nazareth“, das wir nach einstündiger Autofahrt und zwei Stunden Fußmarsch bzw. Ritt auf den in der Regenzeit schlammigen Wegen Waslalas erreichten. Schon die Teilnahme an dem der Versammlung vorausgehenden, sehr lebendigen, mit viel Musik gestalteten Wortgottesdienst, der allein von Katecheten vorbereitet und durchgeführt wurde, lohnte alle Mühe. Das Engagement und die Verantwortung, mit denen die Waslaleños unter den dort herrschenden schwierigen Lebensbedingungen ihren Glauben zu leben versuchen, erscheint uns wirklich bewundernswert. Zur Pfarrgemeinde La Inmaculada gehört auch ein Schwesternkonvent, die kleinen Schwestern von der unbefleckten Empfängnis. Zur Zeit leben hier drei Schwestern und vier Novizinnen. Ihre Aufgabe besteht darin, die Gottesdienste mit vorzubereiten und  an den „Giras“ teilzunehmen -  darunter versteht man die Besuche eines Pastoralteams in den kleinen Dörfchen Waslalas -. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt jedoch im Bereich der Familienpastoral. Nicaragua ist vom „Machismo“ geprägt; d.h. Frauen haben hier nur wenig Wert. Viele Männer verlassen ihre Frauen, die dann mit meist mehreren Kindern allein zurückbleiben. Gewalt gegenüber Frauen und Kindern ist an der Tagesordnung (Im letzten Jahr unterstütze das PMF das dortige Frauenhaus mit einer Spende). Die Schwestern versuchen Familienkreise und Frauentreffen zu initiieren und werben dort für ein christliches Familienbild, für gegenseitige Verantwortung und Rücksichtnahme, und wollen die Frauen in ihrem Selbstverständnis stärken. Im Schwesternhaus treffen wir auch Hermana Maria wieder, die bei ihrem Besuch in Deutschland im Mai/Juni dieses Jahres bei der Mitgliederversammlung über die Situation der Frauen in Waslala berichtete. Mit Hermana Marli besuchten wir in diesem Jahr das Casa Materna, ein Geburtshaus unter der Leitung einer Frauenärztin, das schwangere Frauen aus den umliegenden Dörfchen aufsuchen können, um dort auf die Geburt ihres Kindes zu warten. Fast alle zur Verfügung stehenden Betten warenbelegt. Mehrere der jungen Frauen sind erst 16 Jahre alt. Die Geburtenrate ist hoch in Nicaragua; mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist unter 20. Bei diesem Besuch in Waslala werden uns wieder die riesigen Unterschiede im Lebensstandard der Menschen deutlich: Kinderreichtum – Kinderarmut, Wellblechhütten dort – hier unser Einfamilienhaus ,  dort Reis und Bohnen jeden Tag, und das auch nicht immer genug – hier  absolute Vielfalt der Lebensmittel  und Überfluss .Trotz der Armut (Nicaragua ist das zweitärmste Land Lateinamerikas nach Haiti) werden wir überall mit großer Freundlichkeit empfangen. Das macht uns Mut, uns weiterhin für Waslala einzusetzen.

 

Monika Drabiniok